Klitschko

Der unerträgliche Blick zurück auf den Samstag

 

Nach DSDS kam am Samstagabend Boxen auf RTL. Was für mich schlimmer anmutete, kann ich immer noch nicht sagen. DSDS habe ich nach einer Duscheinlage eines Teilnehmers sofort abgeschaltet und mir gedacht, gut, dass wir dafür nicht auch noch bezahlen müssen.

Mein zweiter Versuch am Abend war dann der Boxkampf zwischen Wladimir Klitschko und Alex Leapai.

Ein netter Lastwagenfahrer aus Australien, der den ahnungslosen RTL Zuschauern als „Killerkampfmaschine“ verkauft wurde.

Gesungen wurde auch hier wieder wie zuvor bei DSDS. Die Scorpions, eine weltberühmte Vereinigung von alten Rockmusikern, die allerdings wieder einen Schmusesong zum Besten gaben, verwöhnten die Ohren des fachkundigen „DSDS-Boxpublikum“. Schwägerin Natalia Klitschko trällerte dann noch die ukrainische Nationalhymne für den Weltmeister. Ob der Text saß, kann ich nicht beurteilen, ist allerdings auch nicht so wichtig. Vielleicht wichtiger, am Samstag waren diesmal nur 8 Millionen Zuschauer Ukrainer. Aber was für ein Quotenflop für RTL!

Nach dem ganzen nervigen Vorgeplänkel fing dann endlich der Kampf zweier „Gladiatoren auf Augenhöhe“ an. Das mit der Augenhöhe war nicht ernst gemeint, liebe Leser. 183 vs. 200 cm oder Olympiasieger vs. Halbprofi standen sich gegenüber.

Dr. Steelhammer, so nennt sich der Hollywood geschulte Ukrainer auch, kam kurz nach seinem Widersacher Alex „The Lionheart“ Leapai in den Ring. Steelhammer würde aber sicherlich auch zu einem Pornostar gut passen….

Dann endlich der Gong zur ersten Runde und meine Hoffnung, dass vielleicht dieser mutige Australier es schaffen würde, das verdammte  Glaskinn von Herrn Dr. Klitschko zu treffen. Allerdings wurde ich auch sofort enttäuscht, denn die Arme des gebürtigen Samoaners waren schlicht zu kurz. Daher gab es passend zur DSDS Show zuvor eine Tanzeinlage von Alex Leapai, um von den Pranken des Hünen nicht getroffen zu werden. Fast 5 Runden hielt er die Trainingseinheit mit Klitschko durch, bis der ungleiche Kampf nach dem zweiten Niederschlag des Lionhearts vom Ringrichter Gott sei Dank beendet wurde.

Ein fader Nachgeschmack ist mal wieder geblieben. Man darf allerdings dem Klitschko Clan für den Samstag keinen Vorwurf machen, sondern dem Weltverband WBO, die es für richtig erachten, Ausscheidungskämpfe zwischen hoffnungsvollen aber hoffnungslos unterlegenen Prügelknaben zu veranstalten, um ein Opfer für Wladimir Klitschko zu finden. Gut, ein Leapai dürfte so in etwa die Klasse der besten deutschen Schwergewichtler haben, doch niemals darf so ein Mann um die WM Krone kämpfen. Der Titel des Ozeaneinmeister sollte da das höchste der Gefühle sein.

Es gibt schlicht keine ernstzunehmende Gegner für die Klitschko Brüder. Der Einzige, der es schaffen könnte, hat verletzungsbedingt viel zu jung seine Boxhandschuhe an den Nagel gehangen. Die Rede ist da von David Haye, den zwar Wladimir Klitschko in einem WM Kampf nach Punkten geschlagen hatte, aber ohne nennenswerte Treffer gelandet zu haben. Zu schnell war der flinke Engländer, allerdings auch gehandicapt von einem Zehnbruch. Was er wirklich drauf hat, zeigte der „Hayemaker“ dann gegen Dereck Chisora. Gegen den bulligen Afrikaner musste ein schlagstarker Vitali Klitschko noch über die vollen Runden gehen, wogegen Haye ihn nach 5 Runden auf die Bretter schicken konnte. TKO in der 5. Runde für den 95 Kilogramm leichten Schwergewichtler. Ich war mehr als beeindruckt von Haye um jetzt umso mehr enttäuscht zu sein, dass der einzige Boxer, der den Klitschkos hätte gefährlich werden können, aufgrund eines Bandscheibenvorfalls anscheinend nicht mehr kämpfen kann.

Wer bleibt übrig auf dem Markt der Schwergewichte? Dazu ein Blick auf die unabhängige Weltrangliste. Und dieser Blick ist ernüchternd. Auf Platz 3 steht hinter den Klitschkos weiterhin David Haye. Danach folgen dort Namen wie Adamek, Chambers, Thompson, Chagaev und ein gewisser Odlanier Solis. Der trainingsfaule Kubaner hätte vom Talent sicherlich eine Chance, aber nutzt diese nicht, protzt dagegen lieber mit dicken Autos und allem was dazu gehört.

Was bleibt, ist das Warten oder besser noch das Hoffen auf einen neuen Ali, Rocky Marciano, Joe Frazier, George Foreman oder einen zweiten Mike Tyson. Bis dahin bleibt eine bittere Erkenntnis… das Schwergewichtsboxen liegt in Scherben!

Da ich schaue mir doch lieber MMA oder K1 an und träume von den guten alten Zeiten, als man noch gerne in der Nacht aufstand, um Boxen der Extraklasse zu sehen, statt Kirmesveranstaltungen auf RTL.

von Attila Revada

 

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