Klitschko vs Povetkin 2 – Wie wahrscheinlich ist das wirklich?

Von Johannes Passehl (Boxenplus)

Er wolle noch einmal gegen Wladimir Klitschko in den Ring steigen. Diese Aussage hat Ex-WBA-Weltmeister Povetkin zumindest gegenüber dem „allboxing.ru“ – Journalisten Yuri Tarantin gemacht. Diverse Boxsportseiten haben dessen Artikel abgekupfert, ohne selbst auch nur einen Hauch darüber nachzudenken und zu kommentieren, welchen Sinn so eine seltsame Idee hat.

Der jahrelang herbeigesehnte Kampf zwischen dem damals regulären WBA-Champ Povetkin und WBA Superchamp Wladimir Klitschko war für die Zuschauer und Boxfans der Reinfall des Boxsport-Jahres 2013, wenn nicht sogar die Enttäuschung des ganzen Jahrzehnts, weil dieser (Ring-)Kampf so mies und überschätzt war, wie kaum ein anderer WM-Kampf im Schwergewicht. Man bedenke dabei, dass ein Kampf der Beiden bereits seit 2008 im Gespräch war und die gesamte Boxwelt mit Spannung darauf wartete. Dem entsprechend hoch waren auch die Erwartungen.

Klitschko PovetkinPovetkin sah, hauptsächlich hervorgerufen durch Klitschkos Kampfverhinderungspraktiken, in diesem „Kampf“ nicht einen einzigen Stich gegen Klitschko. Es war für die erwartungsvollen Zuschauer ein Bild des Grauens, fast eine Zumutung sich dieses fürchterliche Geklammer und Gewürge überhaupt 12 Runden lang anzusehen. Ja, Povetkin hat sich im Rahmen seiner Möglichkeiten bemüht, aber da der Superchamp Klitschko im Ring scheinbar Narrenfreiheit hat, gab es erst in Runde 11 ein Pünktchen Abzug für seine Praktiken, was eigentlich schon spätestens in Runde 4 fällig gewesen wäre.

Jetzt sagt Povetkin angeblich, er wolle erst einmal 3 Kämpfe machen und wären dann wieder soweit, erneut gegen Wladimir Klitschko zu kämpfen. Sinngemäß sagte Alexander Povetkin:

„Im Moment ist unser Plan drei Kämpfe zu machen, damit mein Trainer und ich uns noch besser aufeinander einstellen können und wir die Möglichkeit haben, taktische Fehler auszuschließen. Mein Ziel bleibt natürlich einen Rückkampf mit Wladimir Klitschko. Das muss aber nicht sofort sein. Klitschko hat mehr als 60 Kämpfe in seiner Karriere gemacht, ich habe gerade mal ein etwas mehr als 20. Ich muss weiter Erfahrungen sammeln, dass bedeutet aber nicht Angst vor Klitschko zu haben. Ich werde mir den Platz als Pflichtherausforderer verdienen und dann werden wir ein zweites mal im Ring stehen.“

Wer diesen Worten glaubt, Povetkin würde sich tatsächlich danach sehnen, noch einmal so einen Kampf zu wollen, der kann nur naiv und leichtgläubig sein. Der Stand war zu Jahresbeginn noch ein ganz anderer. Damals machte eine angeblicher Kampf zwischen Povetkin und dem Kubaner Luis Ortiz die Runde, den die WBA angeordnet hätte um wieder eine regulären WBA-Titelträger zu haben. Eine seltsame Idee, die genau so im Nebel verschwand, wie sie gekommen war. Es ist eigentlich ein Unding, einen Boxer gleich wieder um einen Titel kämpfen zu lassen, den er gerade erst im vorherigen Kampf verloren hat. Jetzt sollen Ex-WBA-Champ Ruslan Chageav und der Amerikaner Fres Oquendo den regulären WBA-Titel am 6. Juli in Grozny/Russland unter sich ausboxen.

POVEMan braucht keine hellseherischen Fähigkeiten um zu merken, was das eigentliche Ziel Povetkins ist. Er hat gerade Manuel Charr besiegt, der als Ersatzgegner eingesprungen war. Eigentlich sollte Povetkin gegen den bisher ungeschlagenen Ukrainer Glazkov antreten. Es ist wohl der im Moment anhaltenden politischen Spannungen zwischen der Ukraine und Russland geschuldet, dass dieser Kampf nicht zustande kam und Manuell Charr als Ersatzgegner angeworben wurde. Das es dabei um ein unbedeutendes WBC-Gürtelchen ging, spielt nur eine Nebenrolle. Der Verband WBC hat gerade einen neuen Weltmeister bekommen und der Titel muss jetzt 2x pflichtverteidigt werden. Die Namen, die dabei hauptsächlich eine Rolle spielen sind Stiverne, Wilder und vielleicht Perez oder Jennings. Das sind Boxer, mit denen Povetkin es aufnehmen kann. Ein Favorit ist er in diesen Kämpfen allerdings nicht und der angebliche Weg, dann womöglich als WBC-Champ Wladimir Klitschko heraus zu fordern ist sehr unwahrscheinlich.

Der einfachste Weg für Povetkin ist folgender: Er macht wie er sagt ein paar Kämpfe gegen gute Gegner, die für ihn interessant sind, weil er dadurch gute Ranglistenpositionen halten oder verbessern kann. Wenn er es sich leicht machen will, kämpft er gegen den Serben Javo Pudar, der zuletzt immerhin 12 Runden gegen Ruslan Chagaev durchgehalten und nach Punkte verloren hat. Will man Povetkin eine schwerere Aufgabe geben, macht er vielleicht einen Kampf gegen den US-Boy Travis Kauffman, der im WBA-Ranking sogar noch einen Platz vor ihm liegt. Danach sollte sein eigentliches Ziel, ein Kampf um den regulären WBA-Titel, nichts mehr im Wege stehen. Sowohl Oquendo und Chagaev sind keine zu großen Herausforderungen für Povetkin. Schon gar nicht dann, wenn sein Milliarden schwerer Promoter den Kampf nach Moskau holt und er es vor heimischem Publikum mit einem für ihn maßgeschneiderten Gegner zu tun hat. Povetkin stand schon einmal 2011 Chagaev im Kampf um den WBA-Titel gegenüber. Wenn es das „Schicksal“ so will, wird es vielleicht noch einmal soweit kommen. Über die “WBC-Schiene” voran zu kommen wäre bedeutend schwieriger, als es wieder im Verband WBA zu versuchen. Der einzige Grund, weshalb er einen anderen Weg wählen müsste, wäre ein tiefes Zerwürfnis mit der WBA.

Hat er erst einmal seinen WBA-Titel zurück, ist seine Welt wieder in Ordnung und er kann in den nächsten Jahren in aller Seelenruhe den regulären Titel verteidigen und warten, wie er als WBA-Champ alt wird. Noch einmal ein Kampf gegen Wladimir Klitschko? Nie im Leben.

Wer sich den Kampf zwischen Wladimir Klitschko und Alexander Povetkin noch einmal antun will, kann das hier machen. Eine zweite Ausgabe davon braucht und will wohl niemand sehen:

Fotos Archiv Boxen Plus

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