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von Uwe Betker

Es ist eigentlich eine undankbare Aufgabe, den Ausgang eines Kampfes zu prognostizieren. Trifft die Voraussage ein, sagen die meisten: „Habe ich doch selber vorhergesagt!“ Trifft sie nicht ein, hat man sich lächerlich gemacht. Kleine Anmerkung: Ich habe einmal eine Wette um eine Cola auf den Ausgang eines Boxkampfes verloren. Ganz der gute Verlierer, war ich natürlich erst bereit, meine Schulden zu begleichen, als das Mindesthaltbarkeitsdatum des koffeinhaltigen Erfrischungsgetränks abgelaufen war. Trotzdem möchte ich hier eine Prognose für den am 16. August in Erfurt stattfindenden IBF Weltmeisterschaftskampf im Cruisergewicht abgeben. Hier sollen Yoan Pablo Hernandez (29 Kämpfe, 28 Siege, 14 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) und Firat Arslan (43 Kämpfe, 34 Siege, 21 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO, 2 Unentschieden) aufeinander treffen.

Es gibt kaum jemanden, der sich für Boxen interessiert und Firat Arslan nicht mag. Spätestens seit seiner ersten Niederlage gegen Marco Huck, am 03.11.2012, lieben fast alle Arslan. Damals vermöbelte er den vermutlich schlecht trainierten WBO Weltmeister Huck. Aber die beiden Punktrichter Paul Thomas und Mickey Vann punkteten jeweils 113:115 für Huck. Es waren wohl vermutlich nur diese Beiden und Mitarbeiter von Sauerland Event sowie eingefleischte Huck-Fans, die den Kampf genauso sahen. Damals fiel bei der TV Übertragung auch das böse B-Wort, nämlich Betrug. Leider werden Paul Thomas und Mickey Vann immer noch von deutschen Veranstaltern und TV Sendern akzeptiert. Das erweckt dann allerdings den Eindruck, dass die Veranstalter und Fernsehsender solches Verhalten zumindest tolerieren, wenn nicht gar wünschen. – Den Rückkampf am 25.01.2014 gewann Huck dann übrigens souverän.

Nun also geht es um Arslan gegen Hernandez, der gerade eine Handverletzung auskuriert hat. Und dennoch – ich will es gleich vorweg sagen – kann ich mir kaum vorstellen, dass Arslan gewinnen kann. Er hat maximal eine Außenseiterchance (20:80). Für den bereits 43-jährigen Herausforderer, dürfte dies tatsächlich überhaupt die letzte Chance sein, wenn man sie denn als realistische Chance ansieht, Weltmeister zu werden. Hernandez ist jünger – er ist 29 Jahre alt – und beweglicher. Sein Boxstil, der dadurch gekennzeichnet ist, immer nach vorne zu gehen, kommt Hernandez entgegen. Der Weltmeister hat eine gute Beinarbeit und er schlägt variabler.

Gerne wird angeführt, dass Arslan mit einer professionellen und erfahrenen Ecke in den Ring geht. Er wird nämlich betreut von Fritz Sdunek. Aber auch ein Sdunek wird es wohl nicht schaffen können, einem Arslan innerhalb von, wie ich gehört habe, vier Wochen viel Neues beizubringen. Sollte der neue Trainer aber nun doch einen positiven Effekt haben, dann dürfte er eher psychologischer Natur sein. Beide Boxer haben eine KO Quote um die 48%. D.h. beide können Gegner KO schlagen, sie sind aber keine ausgesprochenen Puncher. Arslan dürfte dabei gefühlt noch den schwächeren Punch haben. Beide sind in ihrer Karriere schon KO gegangen

Wenn also die Hand von Hernandez hält, er seine Psyche im Griff hat und er keine konditionellen Probleme bekommt, dürfte es Arslan sehr schwer haben. Arslan kann letztlich nur boxen wie immer. Er wird stur nach vorne gehen, versuchen, Treffer zu landen und hoffen, dass Hernandez nach hinten raus Schwierigkeiten bekommen wird. – Wie schon gesagt: Arslan hat maximal eine Außenseiterchance (20:80). Aber als hoffnungsloser Romantiker würde ich trotzdem auf Arslan setzen.

Am selben Abend sollen noch Tyron Zeuge (14 Kämpfe, 14 Siege, 8 durch KO) und Baker Barakat (60 Kämpfe, 40 Siege, 27 durch KO, 16 Niederlagen 7 durch KO, 4 Unentschieden) in den Ring steigen. Bei diesem Kampf im Super Mittelgewicht geht es um den International Titel der International Boxing Federation. Das bedeutet aber letztlich nur, dass die beiden Boxer einen Zehnrundenkampf bestreiten. Es verspricht aber keinen spannenden Kampf. Zeuge wird beeindruckend und eindeutig gewinnen. Er wird aussehen, wie die große deutsche Hoffnung für das Profiboxen. So sehen nämlich alle gut ausgebildeten Boxer aus, die gegen Barakat, der eigentlich ein Kickboxer ist, boxen. Wir können also Tyron Zeuge jetzt schon mal zu seinem Gewinn des IBF International Titel beglückwünschen. Wenn er nicht eindrucksvoll durch KO gewinnt, hat er keine wirklich gute Leistung gezeigt.
© Uwe Betker

von Uwe Betker box-blog.de
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