Abu vs. Kojo

Der zweite Teil des Berichts aus Bochum….

Wenn selbst die prominentesten Gäste am Ring nach einem Kampf geplättet sind, dann ist das nur schwer in Worte zu fassen, was am Samstag in Bochum bei der It’s Lanna Time 3 passiert ist. Eines vorweg: Alle die am Samstag lieber zuhause geblieben sind, dürften wahrscheinlich eines der spektakulärsten Fights auf deutschem Boden verpasst haben. Gemeint ist der Hauptkampf zwischen Kojo Ennin und Abu Sesey. Aber auch ohne den Mainevent war die dritte Ausgabe ein voller Erfolg, dessen waren wir uns nach dem vorletzten Kampf bewusst und hatten schon fast zufrieden unser Resümee gezogen. Doch wir hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht: In diesem Fall ohne Kojo Ennin und Abu Sesey.

Fabienne Erdas (Rings of Glory) vs. Karoline Wirbatz (Lanna Martial Arts)
Es dauerte vielleicht eine Minute, da war das Handtuch auch schon geworfen. Fabienne Erdas begann gleich wie die Feuerwehr und überhäufte ihre Gegnerin Wirbatz mit einem Schlaghagel a la Roy Jones zu seinen besten Zeiten. Da zogen die Lanna Martial Arts Betreuer die Notbremse und gaben den Kampf auf.
Siegerin somit durch Aufgabe: Fabienne Erdas

Mit dem Duell Lukas Wittig (Fightcenter Siegen) gegen Osama El-Zein (Vestside Warriors) wurde auch wieder MMA im 15. Fight gekämpft.
Was mag Wittig da geritten haben, in der ersten Runde im Stile eines Boxers seinen Gegner Osama El-Zein offenherzig anzugreifen? Es dauerte nämlich keine 10 Sekunden und da kassierte er den ersten Takedown. Osama El-Zein war der komplettere Kämpfer, dominiert die erste Runde fast ausschließlich aus der Mount. Die zweite Runde war fast eine Kopie der Ersten. Wieder ein schneller Konter von Osama El-Zein und wieder die Kontrolle in der Mount, doch abermals schaffte er es nicht, sich in eine gute Position für eine Submission zu bringen bzw. nutzte er vorhandene Möglichen nicht konsequent aus. Doch auffällig waren in beiden Runden seine vielen Slams und gekonnten Takedowns. Aufgrund dieser Skills und seiner Art sich im Kampf zu bewegen, hatten wir auf einen Ringer-Background getippt und lagen da, nach Aussage seines Teamkollegen Semi Ekinci, falsch. Er lernt ohne Background MMA von der Pike auf. Wie dem auch sei, Osama El-Zein beendete den Fight vollkommen verdient als Sieger nach Punkten.
Sieger nach Punkten: Osama El-Zein

Isa Omeirat (HSU Herne) startete im 16. Kampf im K1 explosiver in das Duell gegen Sindujan Srithara (MMA Marl) und konnte die ersten Akzente setzen. Der mit einer Erkältung leicht angeschlagene Srithara kam zur Mitte des Kampfes besser rein. Nach einem Lebertreffer wackelte Omeirat sogar kurz, allerdings reagierte Srithara auch zu spät, um daraus einen Vorteil zu ziehen. Kurz darauf war in diesem klasse Match auch schon Pause. Die erste Runde haben wir knapp für Omeirat gewertet.
In der zweiten Runde erhöhten beide Athleten das Tempo und schenkten sich nichts. Die Runde war sehr ausgeglichen, von den Anteilen ähnlich wie die erste Runde, aber mit einem Srithara, der gleich zu Beginn anwesend war.
Dann fast gleiches Bild in der dritten Runde. Während Srithara weniger schlägt, aber die deutlicheren Treffer landet, glänzt Omeirat mit der höheren Schlagfrequenz und der besseren Kondition. Die dritte und letzte Runde konnte man knapp Omeirat geben, aber auch ein Unentschieden war vertretbar. Das Urteil des Kampfes fiel dann auch so aus, womit Omeirat Coach Topal unzufrieden war.
Kampfurteil: Unentschieden

Den 17. Kampf zwischen Niko Sekiraqa vom Sparta X Gym und Marius Schmitt von Lanna Martial Arts konnten wir aufgrund sehr schlechter Sichtverhältnisse durch Behinderung von Zuschauern nicht richtig verfolgen. Sparta X Gym Headcoach Chris Stallmann war allerdings mit der Wertung nicht einverstanden. Direkt im Anschluss wurde ein Rückkampf für den 30. Mai 2015 vereinbart. Also ein Rückkampf mit viel Würze, worüber wir uns sehr freuen.
Sieger nach Punkten: Marius Schmitt

Der 18. Kampf des Abends war ein weiterer MMA Leckerbissen für die Zuschauer. Gegenüber standen sich mit Gregor Hoch vom MMA Bujin Gym und Vestside Warriors Juwel Florian Kopiec zwei schwere Jungs.
Nach kurzem Schlagabtausch und einem fast geglückten Takedownversuch, bekam Kopiec seinen Gegner Hoch per O-Soto-Gari (Außensichel) zu Fall. Er kontrollierte seinen Gegner aus der Toppostion, aber hatte Probleme zu finishen. Die Runde ging klar an Kopiec, der auch der zweiten Runde mit zwei Takedowns seinen Stempel aufdrücken konnte. Er arbeitete fleißig in der Mount, aber nahm die verschiedenen Einladungen nicht an, den Kampf zu beenden. Und urplötzlich befand sich der Youngster in der Guard, die Hoch mit Ground&Pound zum Körper versuchte auszunutzen, aber ohne die nötige Durchschlagskraft. Stattdessen konnte Kopiec plötzlich zum Kimura ansetzen, doch der Gong beendete das einseitige Duell zu Gunsten des Vestside Warriors.
Sieger nach Punkten: Florian Kopiec

Der 19. Kampf im K1 brachte Schatten über die Häupter der Zuschauer. Der Niederländer Bas Vorstenbosch vom AllFit Gym, ein Riese mit den gefühlten Maßen eines Semmy Schilts, der K1 Legende schlechthin, bekam es in dem A-Klasse Fight mit dem deutlich kleineren Roman Sarja von Amrani Palace zu tun.
Vorstenbosch, mit deutlichen Reichweitenvorteilen, konnte den Kampf aus der Distanz kontrollieren. Sarja kam gelegentlich mit gefährlichen Kombinationen durch, aber Vorstenbosch konnte mehr Treffer mit Fäusten und Tritten anbringen und war auch der physisch stärkere Akteur im Ring. So ging die erste Runde nicht unerwartet an den Niederländer, der 2012 schon einmal gegen Sarja gekämpft und gewonnen hatte.
Die zweite Runde brachte auch das Ende in diesem Kampf. Bas Vorstenbosch beendet den Kampf mit einem fulminanten K.O mit dem Fuß zum Kopf und gewinnt somit das Rematch gegen Roman Sarja.
Sieger durch K.O.: Bas Vorstenbosch

Einen weiteres hochklassiges Duell war der Kampf zwischen Steavano Kojo von GI Sport Köln und Leon Koschitzky von den Vestside Warriors.
Das Steavano Kojo als Muay Thai Kämpfer wie ein Pferd treten kann, war uns schon bekannt, wusste aber sein Gegenüber Leon Koschitzky anscheinend nicht. So bekam er gleich die vollen PS des Kölners zu spüren, der den Vestside Warriors Schützling mit einem bestialischen Tritt von den Beinen holen konnte. Leon Koschitzky gab nach Kampfende auch an, dass er das Gefühl hatte, ein Auto habe ihn angefahren. Doch MMA ist für Kojo noch Neuland und so konnte er den Vorteil nicht ausnutzen. Stattdessen befand sich plötzlich Koschitzky in der Mount, kontrollierte Kojo gut. Aber zu unserer Überraschung schafft Kojo nach einer Weile die Drehung und befand sich seinerseits in der Fullmount, aus der er jedoch keinen Vorteilen erzielen konnte, sondern es Koschitzky war, der sich einen Kruzifix erarbeitete und weiter die Punkte einsammeln konnte.
Natürlich war Koschitzky aufgrund der ersten Runde nun vor dem Standup des Kölner gewarnt und versuchte zwei Takedowns, die Kojo aber beide sehr gut abwehren konnte. Leon Koschitzky hatte in der Zwischenzeit einen Cut am rechten Ohr und rechten Auge erlitten. Mitte der zweiten Runde schaffte er sich erneut in die Mount zu bringen und arbeite mit Fäusten zum Kopf von Kojo, der sich mit allen Mitteln gut zur Wehr setzen konnte. Koschitzky hatte in der Folge seinen Gegner in der ungünstigen Backmount, konnte auch hier nicht vollends Profit draus schlagen, aber blieb trotz allem der stärkere Mann in diesem spannenden Gefecht. Kurz vor dem Kampfende konnte sich Kojo sogar aus der Guard raus drehen und in die Toppostion zubringen. Um ein Haar hätte er sogar daraus Profit schlagen können, doch da war der Kampf auch schon vorbei. Der Sieger stand mit Leon Koschitzky auch fest, trotzdem musste man nicht nur ihm, sondern auch Steavano Kojo großen Respekt zollen.
Sieger nach Punkten: Leon Koschitzky

Während wir noch grübelten, welcher der bisher gesehenen Kämpfe uns am besten gefallen hatte, schritten Abu Barry Sesey und Kojo Ennin zum Mainevent in den Ring. Wir erwarteten einen guten Kampf von beiden, vielleicht sogar den “Fight of the Night“, obwohl wir uns nur schwer vorstellen konnten, dass einer der 3 von uns ausgewählten Fights noch zu toppen sei. Wir sollten eines besseren belehrt werden. Was da kam, hat die besten Chancen “Fight of the Year 2015“ zu werden. Da legen wir uns schon so frühzeitig fest, dass dieser Fight in die Wahl kommen wird.
Es begann ein Wahnsinns K1-Fight, mit zwei Jungs, die nicht nur alles gaben, sondern um ihr Leben kämpften. Sesey schickte Kojo Ennin mit knackiger Linken in der ersten Runde und kurz nach dem Anzählen ein zweites mal zu Boden. Ennin schaffte es, sich mit wackeligen Beinen und mit letzter Kraft in die Rundenpause zu retten. Eine glasklare Runde für Abu Barry Sesey, der ordentlich Dampf in seinen Fäusten hatte.
Wir sahen für Ennin für die zweite Runde schwarz, doch urplötzlich kam Kojo “Lionheart“ Ennin zurück in den Fight und landete vieleAbu vs. Kojo Wirkungstreffer. Sesey wirkte etwas konsterniert und ausgepowert. Ennin schickte dann seinerseits mit einem harten Lowkick Sesey zu Boden und wiederholte kurz darauf das Szenario. Aber auch Ennin schaffte es nicht den Kampf vorzeitig zu beenden. Klare Runde für Kojo Ennin und unentschieden nach Runden.
War es in der Runde zuvor Ennin, um den wir uns Sorgen machen mussten, so war nun Abu Sesey derjenige, für den es aus unserer Sicht ein vorzeitig Ende geben könnte und wieder einmal lagen wir komplett falsch. Hatten wir Ennin zuvor zum “Lionheart“ emporgehoben, so konnten wir Sesey jetzt nur noch als “Dragonheart“ adeln und das zurecht. Wie der taubstumme Mann von den Gladiators Mülheim zurückkam, war mehr als atemberaubend. Seine Ecke mit Cherry und Angelo Dijoor schien ihm die richtigen Anweisungen mit auf den Weg gegeben zu haben. Entschlossen kam Sesey aus der Runde und man spürte schon seinen Willen, den Kampf auf den Kopf stellen zu wollen. Und vielleicht war sich Kojo Ennin nach seiner sensationellen zweiten Runde seiner Sache zu sicher, denn er sollte das Ende der Runde nicht mehr erleben. Ennin kam ebenfalls mit festen Willen aus der Rundenpause und setzte gleich einen Lowkick an, doch diesmal war Sesey auf der Hut. Einen erneuten Angriff Ennins konterte er mit einer mörderischen Linken und schickte seinen harten Widersacher nun endgültig in den Ringstaub. Ennin konnte sich diesmal nicht berappen, so blieb Referee Ronny Egermann nichts anderes übrig, als den sensationellen Fight zu beenden.

Fight of the Night: Abu Barry Sesey vs. Kojo Ennin!!!
Danke Jungs, diesen Kampf werden wir sicherlich nie vergessen und vielleicht gewinnt er am Ende des Jahres unseren Award.

Damit ging ein tolles Event zu Ende. Wir freuen uns auf die nächsten Veranstaltungen bei unseren Freunden im Ruhrgebiet. Wir von GFN fühlen uns dort zuhause und immer gut aufgehoben. Danke für so viel Respekt und Wertschätzung.

Anderen Veranstaltern können wir nur ans Herz legen, sich um unsere Dienste zu bemühen und nicht zu verharren.

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