Hallo, Freunde des Kampfsports!

Endlich! Der Druide meinte, eine Trainingsaufnahme sei in Ordnung, wenn ich es nach einer Leisten OP, noch etwas weniger intensiv angehen würde.

Geht klar.

Nach den Regeln des K-1 können verschiedene Kampfsportdisziplinen, meinetwegen: Karate und Boxen aufeinandertreffen, was innerhalb ihrer originären sportlichen Richtlinien sonst nie geschehen würde. Auch ist es so, das man beim Kyokushin Karate, zum Beispiel, keine Schlagtechniken zum Kopf des Gegners ausführt – erlaubt sind ausschließlich Tritte zum Kopf. In einem K-1 Wettkampf ist beides, also Schläge und Tritte zum Kopf erlaubt. Ein Nachsetzen, zum Gegner am Boden, ist im K-1, wie im Kyokushin Karate ausgeschlossen.

Hüseyin Usta und ich sind die Ersten im Dojo. Heute ist Sparring. K-1 Sparring. Ich sehe mir unseren Trainingsraum an, ganz still ist es jetzt grade. Kein fieses Gerummse von wuchtigen Tritten an die Sandsäcke, kein Trainer der Anweisungen schreit. Der Ring ist aufgebaut. Da drin findet heute das Training statt. Wer heute noch alles kommt? Hüseyin fragt:“Und? Freust Du Dich aufs Training?“ Hüseyin ist Weltmeister. Ja, ich freue mich tatsächlich. Die Leute trudeln ein – erstmal sprechen, lachen. Gute Stimmung lockert auf.

Mein erstes K-1 Sparring. Die Aufregung stieg allerdings, bei der Aussicht mit Alpay Karaman und Meister Cezmi zu sparren. Zunächst holt mich Alpay ran und zeigt mir einige Techniken, die in so einem K-1 Kampf Verweuchi1ndung finden können. Man darf beinahe alles miteinander kombinieren. Das erweitert den Horizont – denn ein Kämpfer der während des Kampfes nicht mitdenken kann – ist nutzlos und er gefährdet sich und andere.
Alpay macht vor – ich mache nach. Das eine oder andere gelingt mir – Alpay sagt mir, was gut ist und woran ich noch arbeiten muss. „Gut gemacht! Aber merk Dir: Wirklich schwer wird es, sich nach einigen Treffern am Kopf daran zu erinnern, das man im Ring steht!“ Was genau er damit meinte, habe ich im Training dann noch herausgefunden.

Heute Training mit den „großen Jungs“. Alle haben meine Körperhöhe, besitzen aber deutlich mehr Muskelmasse. Für mich ist ein Training mit ungefähr gleichgroßen Partnern sehr wichtig, denn meine Aufgabe ist es, den Reichweitenvorteil meiner Länge zu erkennen und den Gebrauch davon zu erlernen!
Übung macht auch hier den Meister.
Sich mal so richtig großen Gegnern zu stellen ist wahnsinnig, spannend und äußerst lehrreich! Nachdem meine erste Runde in einem Ring mit dem „Berliner Bär“, Alpay Karaman, durchstanden hatte, stand eine andere Naturgewalt vor mir: Hüseyin Usta. Er trägt den „Gi“ und ist eine wirklich imposante Erscheinung.

Was Alpay mir eben gezeigt hat soll ich nun anwenden – Klasse Scherz. Nach den ersten Treffern, die mich erreichen, habe ich Probleme Alpay überhaupt zu hören, von verstehen keine Spur. Die Worte erreichen mich in seltsamer Buchstabenfolge. Doch man darf im Ring nicht zumachen. Ziel ist es den Anweisungen der Ringecke folgen zu können. Doch das ist einfacher geschrieben, als getan: Jeder Treffer schlägt bei mir ein. Fäuste, Beine, Beine, Fäuste – links, rechts. Hüseyin gibt vor was passiert. Seine Schläge sind platziert und schieben mich einfach hin und her – da wo er mich grade braucht oder ein Bein oder die Faust frei ist. Es kostet mich enorme Kraft seine Tritte einigermaßen abzufangen, sie schieben mich einfach zur Seite, so kraftvoll kommen sie. Meine Deckung fliegt von links nach rechts. Dauerfeuer. Standhalten. Das ist es, worum es geht. Sich in solch heftiger Bedrängnis zu konzentrieren, Ruhe finden und zurückschlagen. Dem Gegner zeigen das man lebt.

„Sven! Denkst Du ernsthaft, Du kannst alles einstecken?“
Meister Cezmi ist wirklich nicht zufrieden mit mir.
„Nein.“ sage ich kleinlaut.
„Aha! Solange Dir das auch nicht gelingt, tust Du gefälligst mal irgendwas, um ihn Dir vom Hals zu halten, hast Du das verstanden?! Wenn Du im Ring nur zumachst und Dich gar nicht wehrst, signalisierst Du deinem Gegner, das Du ihn nicht respektierst und das kann übel enden. Denk dran: Du willst Dich sportlich messen, also verhalte Dich sportlich fair und hau den jetzt endlich mal zurück.“
„Ich erweise meinem Gegner Respekt, wenn ich ihn schlage?“
„Was sollte es sonst für einen Sinn haben in einem Ring zu stehen? Hör´ lieber auf zu reden und hau dem eine rein!“

Einem Weltmeister eine reinhauen…ja genau.

Dann kam so der Gedanke:“Wenn Hüseyin mich umhaut – dann ist das so. Und überhaupt: Wer wurde schon mal von einem Weltmeister umgehauen?!“ Dann habe ich mich gewehrt, naja, so gut ich eben konnte. Keine Sorge, es ist nichts passiert. Das im Ring, neben dem sportlichen Wettkampf zweier Kämpfer, zudem auch gegenseitiger Respekt erwiesen wird und nicht einfach bloß verschafft – ist ein weiterer Fakt den ich bis an seinen Ursprung zurück, auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen konnte.

Das Training hat mich wieder. Nach Einschätzung des Schamanen, hatte ich mit einer unbehandelten Leiste zuvor, quasi unter Lebensgefahr, Vollkontaktkarate trainiert. Mittlerweile bin ich vollständig genesen, und habe, wie Ihr lest, das Training wieder aufgenommen.

Vom Schreibtisch auf die Matte, zweiter Teil. Vom absoluten Anfänger in das erste Prüfungskumite des Kyokushin Karate.

Kurioserweise wurde ich via Facebook doch tatsächlich einmal gefragt, ob ich nicht einen Meistergürtel gewinnen will? Nach dem Motto: Wenn schon, denn schon. Darauf antworte ich: Solche Trophäen habe ich mal im Original gesehen, habe hautnah miterlebt, was für eine Leistung erbracht werden muss, um solch einen Meistergürtel zu gewinnen! Darüber hinaus kenne ich den Preis, für das, was dem Zuschauer in einem Kampf am Samstagabend geboten wird: Endlose Stunden des Übens.Tage, Wochen, Monate. Es gehören Jahre des harten, aufopferungsvollen Trainings dazu und ein Wille aus Beton, um so einen Meistergürtel irgendwann einmal erlangen zu können.
Mein Ziel ist da deutlich bescheidener, aber nicht weniger anspruchsvoll.
Osu.

Wie es weitergeht erfahrt Ihr hier – auf German Fightnews.

Bis bald Euer Uchi-Deshi

 

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