7Hallo Freunde des Kampfsports!

Das regelmäßige Training zahlt sich langsam aus. Gut, meine Kondition ist noch immer unzureichend und ich sehe manchmal aus wie eine alte Banane, mit meinen blauen Flecken – doch das bekomme ich in den Griff. Technisch betrachtet konnte ich mir bereits einiges abschauen und einigermassen übernehmen. Die Schüler der Sportschule Chikara sind hervorragend ausgebildet und es ist mir jedes mal ein Freude, wenn ich dazulernen kann – da das häufig passiert, passt das zu meinem fröhlichen Wesen.

Wer Spaß hat lernt auch viel.

Inzwischen habe ich sogar eine Einheit mit dem Weltmeister Oguz Usta überstanden. Wie mehrfach betont, geht es nicht darum das ich irgendetwas im Dojo beweisen muss, außer meinen Lernfortschritt. Darauf wird natürlich sehr genau geachtet. Die Tritte und Schläge von so einem Weltmeister sind ungeheuer schmerzhaft, wie Ihr Euch sicherlich denken könnt. Jeder Treffer schmerzt und fragt mich:“Warum stehst Du dort und nicht da?“ „Weil ich noch zu langsam bin.“ lautet die Antwort.

Wir hatten ein so genanntes, offenes Sparring in der Sportschule Chikara. An solchen Tagen kann jeder mit Freude am Kampfsport zu uns kommen und am Training teilnehmen. Das sorgt dafür das man Erfahrungen sammelt von Sportlern der verschiedensten Schulen und aus aller Herren Länder.
Unglaublich bereichernd. Großmeister Tasev hat geladen und viele sind seinem Ruf gefolgt. Das Dojo hat an diesem Tag viele Gäste und alle sind guter Laune. Eine prima Atmosphäre zum gemeinsamen Training – so muss das sein! Wir sind KEINE Politiker – wir sind Sportler. Der Matte ist es unwichtig woher jemand stammt oder welcher Herkunft jemand sei. Sportler sind wie eine große Familie.

Nach dem „Warm-up“, durch Meister Lucas, werden wir in einzelne Gruppen aufgeteilt. Fortgeschrittene und Anfänger. Natürlich bin ich noch in der Gruppe der Anfänger. Wer schon mal einem Fortgeschrittenen oder sogar einmal einem Schwarzgurt im Kyokushin Karate gegenüberstand weiß, das genau das auch richtig ist. „Partner suchen. Ungefähr gleiche Größe und Gewicht!“ ruft Großmeister Tasev. Alpay Karaman ist mein erster Trainingspartner. Über 1,95m groß und massiv wie eine Mauer. Sicher wir haben dieselbe Körperhöhe, doch mir fehlt die Muskelmasse, die Alpay sich über Jahre antrainiert hat. Zu meinem Glück mag er mich, naja zumindest bin ich ihm nicht unsympathisch, das würde ich doch sehr schnell bemerken. Ganz das Gegenteil ist der Fall, Alpay ist ein geduldiger Lehrpartner. Drei Minuten die es in sich haben. Meine Kondition ist bislang die größte Schwäche. Meine Reflexe werden allerdings immer besser und ich schlage nun auch zurück. Hier und dort sogar erfolgreich.

Übung macht den Meister.

Die Weißgurte von damals, sind nun Gelbgurte. Diesen Gelbgurten stehe ich heute (fast) allen gegenüber und muss ihnen zeigen, das ich Fortschritte mache. Keine Frage, wenn sie es wollten läge ich nach jedem ihrer Schläge oder Tritte auf der Matte – doch darum geht es heute nicht. Bewegung und Technik – das ist heute gefragt – Spaß haben. Härte zurücknehmen, dafür zügige Kombinationen und Standfestigkeit. Das Eine oder Andere gelingt mir sogar und mir wird auch die Wirkung meiner Schläge bescheinigt.

Ja, noch immer muss ich mehr wegstecken als ich austeile. Doch, das soll mir ja auch nicht gefallen, daher habe ich mich nach Kräften bemüht genau das zu ändern. Man muss dabei natürlich immer bedenken WEN man vor sich hat und zum Tanz auffordert.
Schätzt man seinen Gegner falsch ein kann das voll nach hinten losgehen.

Eine unserer Frauen im Kurs ist Sofie. Wir trainieren alle zusammen, jeder muss einmal mit jedem gekämpft haben. So kommt es in der Reihenfolge, das wir uns gegenüberstehen. Wenn die Technik sitzt kommt auch etwas beim Gegner an. Das ist ein grundsätzlicher Trainingsgrundsatz von Großmeister Tasev. Wir beginnen. Sofie kommt durch und knallt mir eine rein. So heftig, dass ich stöhnend vor ihr zusammenbreche. DAS hab ich so jetzt nicht erwartet und stelle fest, sie tatsächlich unterschätzt zu haben. Sofie weiß nun, das sie schon viel dazugelernt hat und was sie bewirken kann. Schnaufend raffe ich mich hoch. Ich bin sauer. Das passiert mir sicher nicht nochmal. Danke Sofie.

Kampfstellung.

Diese Erkenntnis nehme ich in die nächsten Sparringrunden mit. Geschenkt wird einem hier nichts, Erfolg muss sich jeder erarbeiten. Die Erfahreneren lehren die Anfänger. Mit jeder neuen Runde lerne ich dazu und die Abhärtung wird sich später ebenfalls noch auszahlen.

Abhärtung und stetes Üben der Bewegungsabläufe spielen im Kyokushin Karate, neben anderen Aspekten, eine wichtige Rolle. Sie ist eine große Herausforderung an seine Schüler. Man sollte diesen Punkten, grade in der Anfangsphase, Beachtung schenken und sollte unbedingt gewissenhaft und möglichst im Team durchgeführt werden. Für diejenigen unter uns, die gerne in der Natur und alleine üben mögen, sollte die Möglichkeit zur Verletzung, so gut es möglich ist ausgeschlossen werden. In meinem Fall, habe ich diesen Punkt, während eines Trainings im Freien, zu meinem großen Schmerz etwas übertrieben.

Eigentlich wollte ich bloß locker einige Tritttechniken üben. Hierzu suchte ich mir, während eines Spaziergangs, einen recht großgewachsenen, stabilen Baum aus und hab losgelegt. Grundsätzlich kein falscher Ansatz, wenn man sich auch zuvor den Untergrund entsprechend vorbereitet, vorzugsweise mit einem Material das zumindest ein paar Millimeter des ankommenden Drucks abfängt. Sei´s drum. Schwere Frontkicks waren aufgrund der richtigen Distanz gut zu üben, die geübten Lowkicks allerdings machten sich deutlich schneller und äußerst schmerzvoll bemerkbar. Logisch, wenn man nur eine Jeans anhat. Als ich zu einem erneuten rechten, Lowkick an den Baum ansetze und das Ding durchziehe, spricht der Baum zu mir:

„Selbst Schuld.“ sagt Herr Baum und bricht mir fast den Fuß.

Dieser Trainingspartner hat allen meinen Attacken nicht nur standgehalten, er hat sich dabei nicht einmal bewegt und brauchte nicht einmal zurückschlagen, um mich zu besiegen. Ein weiterer, wenn auch unerwarteter, Lehrer des Kyokushin auf meinem persönlichen Karate Weg.

Fudor.

Konzentration, Aufmerksamkeit und Respekt waren die Lektionen für heute. In den Schmerz hinein atmen und auflösen. Ein wahrer Schüler des Karate Wegs ist offen und erkennt die Vielfalt seiner Lehrer. Zu Hause mache ich mir jedenfalls erst mal einen richtig großen Eisbeutel für den Fuß fertig.

Ich grüße meinen Meister ab.

Seine Blätter rauschen zustimmend.

Osu.

Wie es weitergeht? Das lest Ihr hier auf German Fightnews.

Euer Uchi-Deshi.

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