Karaman KO
Foto via Karaman

Was war das wieder für ein Auftritt von Bülent Karaman am Samstag den 9. Mai 2015? Er besiegte bei der fünften Eggesiner Fight Night Romano Ramasco durch KO in der ersten Runde und unterstreicht damit eindrucksvoll seine Dominanz im K1. Dies scheint auch einem Karl Glischynski nicht entgangen zu sein und hat Bülent Karaman nun ein Angebot gemacht, dass er nicht ablehnen konnte. Am 10. Oktober wird der Berliner in Rostock in einem Superduell auf Karl Glischynski treffen, der sein Comeback feiert. Glischynski war und ist immer noch einer der großen Namen im K1 in Deutschland. Er stand schon mit Leuten wie Danyo Ilunga oder Florian Ogunade im Ring, gewann viele große Turniere und Titel. Zuletzt wurde es aber etwas ruhig um ihn, was vielleicht auch daran liegen mag, dass kaum geeignete Kämpfer gegen ihn antreten wollen. Das hat sich aber nun geändert, den starke zwei Athleten haben sich gesucht und gefunden, den auch Bülent Karaman hat es nicht leicht Gegner zu finden. Entweder springen sie ab oder lehnen gleich Fights gegen ihn ab, um gegen Fallobst zu kämpfen.

So bekommen die Zuschauer oft nicht das geboten, was ihnen zusteht: Den Kampf der Besten!

Bei seiner Ehrung zum GFN Fighter des Jahres 2014 klagte Bülent Karaman darüber, dass es zu wenig gute Kampfangebote gibt. Nun scheint er aber erhört worden zu sein.

Wir haben mit dem sympathischen und zurückhaltenden Fighter aus Berlin über seinen bevorstehenden Aufgaben, seinen letzten Kampf, über das große Geld im Boxgeschäft und das Team KarAmaN geredet.

GFN: Bülent, du hast in einem früheren Gespräch mit uns den Wunsch geäußert, dich mit den Besten Kara1messen zu dürfen. Du wurdest erhört, denn Karl Glischynski wird dein nächster Gegner werden.

Bülent Karaman: Es macht mich ungemein glücklich, dass ich gegen Karl Glischynski kämpfen darf. Bei einem Interview erwähnte er schon einmal, dass er sein Comeback feiern will und es für ihn keine Rolle spielt, gegen wen er kämpft. Er kann sich bei seiner Vita eine solche Aussage erlauben.

GFN: Glischynski ist auch nach seiner knapp zwei Jahre andauernden Abstinenz einer der besten Namen im Schwergewichts K1. Was bedeutet es für dich, mit ihm im Ring stehen zu dürfen.

Bülent: Ich habe ihn 2005 bei der “Nacht der Acht“ live kämpfen gesehen. Was er da gezeigt hatte, war auf einem sehr hohen Niveau. Ich fühle mich geehrt, mit Karl in den Ring gehen zu dürfen und ich habe großen Respekt vor ihm und seinen Leistungen.

GFN: Nehmen wir mal an, du gewinnst am 10. Oktober gegen ihn. Werden sich dann wie ersehnt die Türen zu den großen Kämpfen öffnen oder kann es sogar sein, dass dann noch mehr Gegner von dir abgeschreckt werden?

Bülent: An dieser Stelle muss ich mich auch bei euch bedanken, da durch eure Berichterstattung viele Promoter auf mich aufmerksam wurden. Ich hoffe natürlich, dass sich noch weitere Türen öffnen werden. Ich bin jetzt 34 und fühle mich wirklich sehr gut, bin dabei immer noch lernfähig und vor allem lebe ich meinen Sport in vollen Zügen.

GFN: Glischynski stand schon mit deinem Wunschgegner Danyo Ilunga zweimal im Ring und hatte beide Kämpfe verloren. Inwieweit nährt es deine Hoffnungen, dass du vielleicht mit einem Sieg gegen Glischynski einem Duell gegen Ilunga näher kommst?

Bülent: Das wäre natürlich ein riesen Ding, wenn ich durch den eventuellen Sieg über Karl eine Chance gegen Ilunga bekäme.

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GFN: Wird es am 10. Oktober auch um deine Titel gehen?

Bülent: Nein, es geht um den “Fight Night Champions Gürtel“. Das Angebot kam Robert Müller, er hat mir die Möglichkeit gegeben, um diesen Titel zu kämpfen und habe sofort zugestimmt. Dafür bin ich ihm dankbar.

GFN: Beim Eggesiner Fight Cup solltest du vergangen Samstag eigentlich gegen Nikolaj Falin kämpfen. Der hat allerdings kurzfristig abgesagt. Kennst du die Gründe dafür?

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Bülent trägt seine Fans auf Händen

Bülent: Ich kann dazu ehrlich nichts sagen. Nikolaj und ich haben uns noch nie persönlich unterhalten. Daher liegt es mir fern, irgendwelche Theorien mir zusammenzuschustern und habe mich einzig auf meinen neuen Gegner konzentriert. Ich fand es sehr schade, dass der Kampf nicht stattgefunden hat, weil ich mich auf das Duell gegen Nikolaj sehr gefreut hatte.

GFN: Stattdessen hast du gegen den international bekannten Italiener Romano Ramasco gekämpft. Du hast ihn noch in der ersten Runde K.O geschlagen. War das auch dein Plan, den Kampf schnell zu beenden?

Bülent: Eher gehofft! Ich habe mich auf meine Marschroute konzentriert und wollte den Zuschauern einen guten Kampf bieten. Und ja, meine Strategie war auf einen KO Sieg ausgelegt. Ich hatte trotz einer Erkältung einen sehr guten Tag erwischt.

GFN: Du hattest zuvor einen Tiefschlag von Ramasco kassiert. War der K.O die Bestrafung?

Bülent: (lacht) Ach nein, er wollte Ballern und ich habe geballert und bei der ganzen Ballerei geht auch mal ein Schuss schnell daneben. Spaß beiseite, klar so ein Tiefschlag macht einen wütend. Aber er war super fair und hat sich sofort dafür entschuldigte. Bei einem Flying Knee kann das immer passieren.

GFN: Ihr wart zum ersten Mal bei der Veranstaltung von Mirko Kopmann. Wie waren die Rahmenbedingungen?

Bülent: Mirko Kopmann? Da muss ich ehrlich gesagt nicht viel sagen: nächstes Jahr bin ich wieder dabei.

GFN: Nach dem Kampf gegen Glischynski geht es zu einem 4-Mann Turnier mit einigen Schwergewichtlern. Ist das nicht zu kurzfristig nach so einem harten Kampf?

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Beliebt bei jungen Menschen: Bülent Karaman

Bülent: Ich hoffe natürlich, dass ich verletzungsfrei bleibe und mich danach auf das Turnier konzentrieren kann. Normalerweise sind 3 Wochen ausreichend. Es sind gute Mitstreiter dabei, ich werde mich bestens darauf vorbereiten und hoffentlich mit einem Sieg gegen Karl Glischynski dort anreisen.

GFN: Das Thema Sponsoring war zuletzt bei euch ein wichtiges Thema. Hat sich da schon etwas positives getan?

Bülent: Hey, ich bin jung und brauche das Geld. Spaß beiseite, wir werden unseren Weg weitergehen und wenn jemand uns dabei finanziell unterstützen möchte, wäre das natürlich eine große Hilfe für uns.

GFN: Apropos Geld: 200. Millionen Dollar! Das war die Börse für den Kampf Floyd Mayweather gegen Manny Pacquiao. Was denkt man da als Profisportler bei solchen Unsummen?

Bülent: Boxen ist das Eine und Geld machen das Andere. Leider wird das oft miteinander verwechselt und das macht das Boxgeschäft kaputt.

GFN: Wenn man sich die Bilder und Videos von Mayweather ansieht, wie er mit seinem Geld prahlt, denkt man da nicht, warum man nicht besser mit dem Boxen angefangen hat?

Bülent: Was schnell kommt, geht doppelt so schnell wieder. Ich bete täglich für meine Familie und bin dankbar dafür, was wir haben und was wir im K1 oder Kyokushin Karate erreicht haben. Wir haben wirklich eine Menge geschafft und haben eines dabei nie vergessen: Menschen zu bleiben.

GFN: Du und deine Brüder seid praktisch unzertrennlich. Was bedeutet es dir, sie bei deinen Wettkämpfen an deiner Seite zu haben?

Bülent: Das ist der Schlüssel zum Sieg! Ein Blatt ohne Ast wird nicht leben können und ein Ast ohne Baum ebenfalls nicht. Meine Erfolge sind nicht das Werk von Bülent Karaman alleine, sondern das vom Team KarAmaN. So wie wir angefangen haben, so werden wir es auch als Team KarAmaN irgendwann in der Zukunft beenden.

Blut ist in den meisten Fällen dicker als Wasser!

Bülent Karaman, ein Kämpfer der sich treu geblieben ist und der den Wert seines Daseins als Sportler verstanden hat. In er heutigen Zeit sind viele Sportler mehr Firmen, als Wettkämpfer. Hinter ihren Namen verbergen sich nicht selten eine GmbH oder andere Formen von Gesellschaften. So bleibt es nicht aus, dass am Karaman GFN2Ende diejenigen die Wettkämpfe gewinnen, die mehr Umsatz machen, mit einem TV Vertrag ausgestattet und Publikumswirksamer sind, als derjenige, der in einem Boxkampf dominiert hat, mehr Treffer erzielen konnte oder einfach nur besser war, aber vielleicht einfach auch nur deshalb, weil er den falschen Namen trägt. Es geht oft nicht mehr ums gewinnen, sondern nur noch ums Geld, um die Einschaltquoten, einfach wer geiler ist und welcher “Facebook-Rambo“ mehr Likes hat.

Wir sind einfach froh, dass es Sportler wie Bülent Karaman und seine Brüder gibt, die den Geist des Budō verinnerlicht haben und Werte einer jüngeren Generation, nein, auch uns den Erwachsenen, vorleben, die in unserer Zeit rar geworden sind!

Wir machen das selten, aber ihr das draußen, die ihr gerne den Sport fördert, hier ist jemand der es verdient hat und der dafür dankbar wäre.

 

 

 

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