Nick Hein siegt in Berlin: „Wer lacht jetzt?“

Die einen lieben ihn, manch andere können ihn nicht leiden, aber er ist halt der Showman der Deutschen DSC_0092MMA Szene. Gemeint ist damit UFC Kämpfer Nick Hein, der mit Dennis Siver und Peter Sobotta für MMA “MADE IN GERMANY“ in der UFC steht und sicherlich wie kein zweiter polarisiert. Am vergangenen Samstag lief der Rheinländer bei der UFC Fight Night in Berlin nicht zu irgendeinem Song ein, nein, DJ Tomekk hat eigens für den “Sergeant“ ein Stück komponiert oder besser gesagt gemixt. Sein Gegner war der polnische UFC Debütant Lukasz Sajewski, der in 13 Kämpfen zuvor ungeschlagen geblieben war und die makellose Bilanz von 13-0-0 aufwies.

Locker und selbstbewusst betrat der Kölner bei seinem Gang zum Cage die O2 World in Berlin und zum ersten Mal war Nick Hein 3es sehr laut vor einem Duell in der gut gefüllten Halle geworden.
Der Ex-Polizist fing den Kampf gegen den Grappler Sajewski kontrolliert im Stand an. Es wird immer deutlicher, dass aus dem begnadeten Judoka ein ansehnlicher Allrounder geworden ist, der sein Standup seit 2014 deutlich verbessert hat. Sein letztes Trainingscamp in Thailand scheint ihm zusätzlichen Auftrieb gegeben zu haben. Zu seinen mittlerweile guten boxerischen Fähigkeiten, sind auch ansehnliche Kicks dazugekommen. War er in der Vergangenheit manchmal etwas ungestüm in seine Duelle gegangen, so performte er gegen Lukasz Sajewski taktisch sehr klug. Gleich mit der ersten Kombination zeigte er Sajewski, dass sich der Pole in Heins Wohnzimmer befand. Der 24-Jährige aus Danzig hatte auch keine Lust, sich auf einen Schlagabtausch einzulassen und hebelt Nick Hein kurz aus, aber ohne Erfolg, denn der Deutsche stand schneller wieder auf seinen Beinen, als er runter ging. Auch sehr positiv: Hein war sehr beweglich, mit guter Beinarbeit wie ein Profiboxer. In der Zwischenzeit konnte Hein seinen Gegner sogar zu Boden bringen, aber ohne eine Nutzen daraus ziehen zu wollen. So ging die Runde entspannt an Hein.

In der zweiten Runde weitete er seine Dominanz aus. Fäuste von Sajewski wich er blitzschnell aus und konterte nicht selten mit Kicks. Alles eine Nummer schneller, als der bis zu diesem Tag ungeschlagene Bodenspezialist aus Polen. Immer öfters kamen Fäuste zum Kopf des mittlerweile verzweifelt wirkenden Sajewski, der gegen die Übermacht des “Sergeants“ kein Rezept fand. Nick Hein war Taktgeber im Cage, der Dominator. Und als wäre es nicht schon frustrierend genug für Sajewski gelaufen, sendete ihm Hein noch einen schönen Gruß per Kick zur Rundenpause hinterher.

Und Nick Hein machte in der dritten Runde da weiter, wo er in der Zweiten aufgehört hatte. Eine reife Vorstellung, sehr dominant und selbstsicher. Während Sajewski nach Luft schnappte, sichtlich erschöpft und demoralisiert Hein hinterher hechelte, tänzelte der Kölner immer noch fit wie ein Turnschuh auf den Beinen. Immer wieder bekam Sajewski die Rechte und Linke von Hein zu spüren. Das letzte Aufbäumen des Polen verpufft im Nichts. Eine gute Vorstellung des Deutschen, der nichts mehr anbrennen ließ und den Kampf sicher nach Hause schaukelte.

Aber man darf den ehemaligen Bundespolizisten auch etwas kritisieren dürfen, da er gegen seinen taumelnden und sichtlich angeschlagenen Gegner beste Möglichkeiten für einen vorzeitigen Sieg ausließ, lieber auf Nummer sicher ging, somit es verpasste, auch seine letzten Kritiker verstummen zu lassen, die ihm aufgrund seiner Vorstellung von Samstag wieder genau das jetzt vorhalten, nicht spektakulär zu kämpfen.

Auf der anderen Seite hat man das andere Beispiel mit Alan Omer, der genau das macht, nämlich spektakulär zu kämpfen, aber dabei, wie am Samstag die Kontrolle aus den Augen verloren hatte.
Denn hätte er es Hein gleichgetan, wäre also auf Nummer sicher gegangen, dann hätte auch Omer seinen Kampf gewonnen.

Die Frage wird am Ende auch sein, ob Nick Hein es nach ganz oben auf der UFC Leiter schaffen kann und will, also irgendwann um einen Titel kämpfen darf. Der Anspruch eines ehemaligen erfolgreichen Judokas, dessen Ziel es sicherlich einmal war, Gold bei Olympischen Spielen zu gewinnen, sollte vielleicht weiter denken, als sichere Siege zu holen und sich mit dem Mittelmaß bei der UFC zufrieden zu geben, wobei dieses Mittelmaß sicherlich noch besser ist, als vieles andere, was man außerhalb der UFC im MMA kennt.
Wir denken allerdings, dass er mit den nächsten Aufgaben die eine oder andere Schippe noch drauf legen wird, denn er ist ein kluger Kopf, der einen Plan hat und diesen nicht mit Gewalt umsetzen wird, sondern mit Zeit, Rat und Tat.

Seine Rede nach dem Ende des Kampfes hatte es auch in sich, als er etwas ansprach, was man in der deutschen MMA Szene immer wieder mitbekommt, dass nur wenige an ihn glauben bzw. ihm seine Erfolge gönnen, manche über ihn sogar immer wieder gelacht hatten. Wer einmal seine Trainingseinheiten mitverfolgen durfte und das Feuer in seinen Augen erblickte,  wird da schnell seine Meinung über Hein ändern, denn er geht den steinigen Weg, mit all seinen Unebenheiten und ist da angekommen, wovon andere träumen, wahrscheinlich auch nie hinkommen werden.
 „Wer lacht jetzt?“,  schrie er zweimal in das Mikrofon, ein Ausbruch, den man nachvollziehen kann. Denn es lachen nur noch gequält einige wenige Kritiker, denn Nick Hein hat sich erst einmal in der UFC etabliert, aber er muss nun auch die großen Momente im Kampf folgen lassen, damit der Deutsche Traum von einem UFC Titel wahr werden kann.

 

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