Wladimir Klitschko boxt gegen Arthur Abraham, oder gegen irgendeinen anderen

Königspalast

von Uwe Betker

Unlängst verschickte die Klitschko Management Group GmbH eine Pressemeldung mit dem Titel. „Pressemitteilung Cecilia Brækhus vs. Ramona Kühne“. In der Meldung heißt es: „Die gewichtsklassenübergreifend beste Frauenboxerin der Welt, Cecilia Brækhus (27-0-0, 7 KOs), startet in ihre Zusammenarbeit mit K2 Promotions und KMG mit einem Paukenschlag: Die ungeschlagene WBC-, WBA-, WBO-, IBO- und IBF-Boxweltmeisterin im Weltergewicht trifft im Vorprogramm des Weltmeisterschaftskampfes von Wladimir Klitschko und Tyson Fury am 24. Oktober 2015 in der Düsseldorfer ESPRIT Arena auf WBO-, WIBF- und WBF-Weltmeisterin im Super-Federgewicht, Ramona “Wild Dragon” Kühne (23-1-0, 8 KOs). Brækhus, “First Lady des Boxens”, feiert mit diesem Kampf nach elfmonatiger Verletzungspause ihr Comeback. Im vergangenen November verteidigte sie ihre Gürtel gegen IBO-Champion Jennifer Retzke durch Punkturteil.
“Der Kampf gegen Ramona Kühne ist für mich eine große Herausforderung nach meiner langen Verletzungspause”, so Brækhus. “Es wird für uns beide ein einzigartiger Kampf. Sie ist eine sehr gut ausgebildete Boxerin und verdammt schnell. Das motiviert mich enorm. Doch ich bin stärker. Fest steht, dass sie am Ende in großen Schwierigkeiten profigttstecken wird.”
Kühne stand zuletzt am 1. August 2015 im Ring und gewann ihren Kampf durch Punkturteil gegen die Österreicherin Doris Köhler. Die 13 Titelverteidigungen ihrer Karriere bestritt sie im Halbweltergewicht, Leichtgewicht und Super-Federgewicht. Jetzt stellt sie sich der gewichtsklassenübergreifend besten Frauenboxerin der Welt.“
Die Ansetzung: Cecilia Brækhus gegen Ramona Kühne finde ich schon etwas seltsam. Da ernannte die Presseabteilung der Klitschko Management Group GmbH Braekhus zu der „gewichtsklassenübergreifend beste Frauenboxerin der Welt“. – Trommeln gehört zum Geschäft. Wieso aber sollte die angeblich „gewichtsklassenübergreifend beste Frauenboxerin der Welt“ nicht eine Gegnerin boxen, die zumindest halbwegs in ihrer Gewichtsklasse ist? Braekhus ist Weltmeisterin im Weltergewicht. Kühne ist Weltmeisterin im Super Federgewicht. Nach dem Super Federgewicht kommt das Leichtgewicht. Auf das Leichtgewicht folgt das Super Leichtgewicht und hiernach kommt erst das Weltergewicht. Kühne würde also ganze drei Gewichtsklassen hoch gehen, um gegen Braekhus anzutreten.
Die angeblich „gewichtsklassenübergreifend beste Frauenboxerin der Welt“ will offebar nicht gegen eine Boxerin antreten, die auch nur in der Nähe ihrer Gewichtsklasse beheimatet ist. Eigentlich waren drei andere Gegnerinnen erwartet worden. Da war z.B. die Argentinierin Erica Anabella Farias (23 Kämpfe, 22 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage), WBC Weltmeisterin im Halbweltergewicht, also nur eine Gewichtsklasse unter ihr, im Gespräch gewesen. Farias ist auch die beste Halbweltergewichtlerin der Welt. Das wäre schon eine sehr gute Kampfansetzung gewesen. Braekhus wird wohl auch nicht gegen die Belgierin Delphine Persoon (34 Kämpfe, 33 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage), die WBC Weltmeisterin im Leichtgewicht, antreten. Auch Persoon ist die Beste ihrer Gewichtsklasse, und sie ist zwei Gewichtsklassen unter Braekhus beheimatet. Auch die Amerikanerin Layla Eveleen McCarter (54 Kämpfe, 36 Siege, 8 durch KO, 13 Niederlagen), die WBA Weltmeisterin im Super Weltergewicht, wurde immer wieder als Gegnerin genannt. Sie ist immerhin die benlee pilliDrittbeste ihrer Gewichtsklasse und boxt nur eine Gewichtsklasse über Braekhus.
Die Ansetzung Brækhus gegen Kühne könnte dennoch wirklich interessant sein, wenn die angeblich „gewichtsklassenübergreifend beste Frauenboxerin der Welt“ nicht alle Vorteile für sich behalten würde. Es wäre etwa denkbar ein Catch Weight Kampf bei dem sich beide Boxerinnen gewichtsklassenmäßig entgegenkämen. Kühne könnte dann ein oder zwei Gewichtsklassen höher boxen und Brækhus ein oder zwei Gewichtsklassen niedriger. So würde dann auch der PR Titel „gewichtsklassenübergreifend beste Frauenboxerin der Welt“ einen Sinn bekommen.
Um es noch mal zu verdeutlichen, was ich meine: Stellen wir uns doch mal eine Pressemeldung vor, in der folgendes zu lesen ist: „Der gewichtsklassenübergreifend beste Boxer der Welt, Wladimir Klitschko (67 Kämpfe, 64 Siege, 53 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO), beendet das Jahr mit einem Paukenschlag: Der amtierende Weltmeister der IBF, WBO und Super Champion der WBA im Schwergewicht trifft am 24. Dezember 2015 im Düsseldorfer Rheinstadion auf den WBO Weltmeister im Super Mittelgewicht, Arthur Abraham (47 Kämpfe, 43 Siege, 29 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO).

WMMAA
Die Pressemeldung der Klitschko Management Group GmbH ist nun allerdings nichts anderes als elektronische Makulatur. Vor kurzem wurde bekannt, dass es den Kampf zwischen Cecilia Brækhus und Ramona Kühne gar nicht geben wird. Man konnte sich vertraglich nicht einigen. Das heißt ja wohl, dass man sich nicht über die Börse einigen konnte. – Soweit, so üblich. Ungewöhnlich ist nur, dass die PR-Abteilung von Klitschko überhaupt eine Pressemeldung über eine Kampfansetzung verbreitet, für die die Vertragsverhandlungen noch gar nicht abgeschlossen sind. Die entsprechende Pressemeldung müsste dann doch wohl eher heißen: „Der gewichtsklassenübergreifend beste Boxer der Welt, Wladimir Klitschko boxt gegen Arthur Abraham oder aber gegen irgendeinen anderen.
© Uwe Betker

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