Von Uwe Betker

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Am Samstag, dem 19. Dezember 2015, stellte Klaus Waschkewitz eine Veranstaltung mit zehn K1 und zwei Profiboxkämpfen auf die Beine. Austragungsort war die Sporthalle an der Krefelderstraße in Duisburg. Soweit ich das beurteilen kann, waren die K1 Kämpfe durch die Bank weg gut. Hier gilt es aber von den beiden Boxkämpfen und den Ereignissen danach zu berichten.

Der erste Boxkampf war die Internationale Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht, nach Version GBA. Es trafen Ismael Altintas (25 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 17 Niederlagen, 6 durch KO, 4 Unentschieden) und Rami Ali (7 Kämpfe 6 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage) aufeinander. Ali ist kurzfristig eingesprungen. Die ersten beiden Runden gehörten Ali. Altintas schob sich hinter seiner Doppeldeckung an ihn heran und versuchte, in der Halbdistanz Haken ins Ziel zu bringen. Ali seinerseits versuchte lang zu boxen. Die meisten Schläge, von beiden, landeten jeweils auf der Deckung. Darüber hinaus traf Ali aber häufiger und besser. Die dritte Runde ging an Altintas. Mit stoischer Ruhe schob er sich an seinen Gegner heran und suchte Lücken, die er zum Teil dann auch fand. In der ersten Aktion in der vierten Runde kam Ali mit einem rechten Körperhaken durch, der Altintas sichtlich wehtat. Er wich zurück und Ali setzte nach. Nach mehreren Haken zum Körper ging Altintas in der neutralen Ecke zu Boden. GBA Ringrichter Kornelius Bernds zählte ihn an. Zwar kam Altintas wieder hoch, aber Ali ließ ihn nicht mehr aus der Ecke raus. Nach einigen weiteren Körperhaken knickte Altintas ein und sackte langsam zu Boden. Bevor noch sein Knie den Boden berührte, kam schon ein Handtuch in den Ring geflogen. Sieger durch TKO in Runde 4, nach 0:47 Minuten: Rami Ali.

Den folgenden Hauptkampf des Abends bestritten Yusuf Kangül (10 Kämpfe, 7 Siege, 2 durch KO, 1 Niederlage, 1 profifightshop2Unentschieden) und Tiran Metz (18 Kämpfe, 12 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage, 4 Unentschieden) im Super Mittelgewicht. Bei dem auf zwölf Runden angesetzten Kampf ging es um die WBU Europameisterschaft. Sehr früh etablierte sich ein Muster, das sich durch den ganzen Kampf ziehen sollte. Kangül versuchte, mit wenigen Aktionen und harten Schlägen, vor allem Haken in der Halbdistanz, und Metz durch Boxen aus der Distanz zum Ziel zu kommen. Die erste Runde ging an Kangül. Er machte Druck und kam mit einigen Kombinationen durch. Am Ende der Runde stellte er seinen Gegner in der neutralen Ecke, wo der dann Treffer nehmen musste. Metz etablierte in der folgenden Runde seinen Jab. Damit hielt er sich Kangül vom Leib und punktete. Der wiederum versuchte es dann mit überfallartigen Angriffen, die aber an der guten Deckung von Metz abprallten. Im folgenden Durchgang ging Kangül auf die Bretter. Bei einem seiner Überfälle wurde er, als er schlecht stand, abgekontert und ging zu Boden. Der Ringrichter Mustafa Erenay zählte ihn an. Metz punktete weiter.
Die folgenden drei Runden gingen an Kangül. Immer wieder kam er mit Kopfhaken durch. Bei einem öffnete sich ein kleiner Cut an der rechten Augenbraue von Metz. Die nächsten vier Runden gingen an Metz. Er etablierte seine Führhand, an der Kangül nur noch selten vorbeikam und wenn, dann gingen seine Schläge auf die Deckung oder Metz pendelte sie aus. Der bekam sogar einmal Szenenapplaus, als er drei oder vier wuchtige Haken einfach auspendelte. Kangül wirkte frustriert. Die elfte und vorletzte Runde bot einen Schlagabtausch ohne Unterbrechung. Kangül versuchte, den Kampf noch durch einen KO zu drehen. Er trieb Metz vor sich her und deckte ihn mit Schlagkombinationen ein. Beide schenkten sich nichts. Kangül brachte mehr Hände ins Ziel und es sah zwischenzeitlich auch danach aus, als wäre Metz von einigen Schlägen beeindruckt. Die letzte Runde war wie die vorangegangen, nur dass nun Metz der Stärkere war. Schließlich ertönte der Schlussgong und beendete einen der besten Boxkämpfe, die in Deutschland in den letzten Jahre zu sehen waren – und das Chaos fing an.
Bevor noch die letzten Punktzettel eingesammelt waren, wurde klar, dass einige der Unterstützer des einen Boxers eine Punktentscheidung nicht akzeptieren würde, schon gar nicht, wenn sie gegen ihren Boxer ausfallen sollte. Erst flogen Flaschen und dann Stühle. Für mich ist dabei vollkommen unerheblich, ob es dafür einen Anlass gab oder gar Provokationen vorangingen für dieses ungezügelte Ausleben von Affekten. Ein solches Verhalten ist immer und überall unangemessen. – Angeblich wurde auch eine Flagge gezeigt und dazu eine obszöne Bewegung gemacht.
Ein Lob möchte ich dem Veranstalter, Klaus Waschkewitz, aussprechen, der sofort eingriff und die Randalierer unter anderem damit in Schach hielt, dass er drohte, kein Profiboxen mehr zu veranstalten, es auch nicht zu einer Urteilsverkündung kommen zu lassen usw. Hiernach beruhigte sich die Situation ein wenig, wobei es aber zu immer neuen Ausbrüchen kam. Dann musste Ringrichter Mustafa Erenay erklären, er hätte vergessen, die Bandagen von Metz zu kontrollieren und abzuzeichnen. Dadurch wurde jeder Partei die Möglichkeit eines Einspruches gegen das Urteil eingeräumt. Das Angebot, die Bandagen nachträglich noch zu kontrollieren, nutzte auch nichts mehr. Der Versuch, die Halle zu räumen und das Publikum auf die Tribüne zu schicken, war nur bedingt von Erfolg gekrönt. Zu viele der sogenannten Zuschauer suchten offenbar einen Grund, wieder mit der Randale anzufangen. Das Kampfgericht beschloss, kein Urteil zu fällen und zu verkünden. Das wurde der WBU überlassen.
© Uwe Betker

 

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