Muhammad Ali vs. Rocky Marciano, ein Computer namens NCR 315 und der Super Fight von 1969

ali marcianoWer ist der größte Boxer aller Zeiten? Muhammad Ali, Mike Tyson oder Rocky Marciano? Stoff für Millionen Diskussionen und Streitereien unter Fans in aller Welt. Geklärt werden konnte dies in der heutigen Zeit noch nicht. Aber dieser Frage ist zumindest 1967 der Radiomoderator und Boxpromoter Murry Woroner nachgegangen und dachte tatsächlich, mit seinen subtilen “Forschungsergebnissen“ den ultimativen Weltmeister im Schwergewicht ermittelt zu haben.

Am Anfang ließ er die 16 bekanntesten und stärksten Champions, die man bis dahin kannte, am Computer gegeneinander antreten. Ihr habt richtig gelesen, an einem Computer in den sechziger Jahren, der kaum mehr Rechenleistung hatte, als ein Commodore 64 von 1981, der kleine und große Kinderherzen seinerzeit höher schlugen ließ. Die 64 stand übrigens nicht für Gigabyte, sondern für Kilobyte. OK, bleiben wir aber in den guten alten Sechzigern. Die Herkulesaufgabe bewältigen sollte ein Computer namens NCR 315, der so groß war, dass er mit Leichtigkeit 3 Studentenbuden hätte füllen können

Natürlich war dieser Computer nicht mal im Ansatz in der Lage, eine solch schwere Frage zu berechnen oder zu profifightshop2beantworten. Daher bezog Woroner 250 Boxexperten in sein Experiment mit ein und entwarf dazu Fragebögen, die von angesehenen Fachmännern nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet werden sollten. Ähnlich wie bei einem Konsolenspiel aus der heutigen Zeit sollten die Auserwählten die Fähigkeiten und Skills der Boxer, wie z.B. Geschwindigkeit, Jab, rechter oder linker Haken, Nehmerqualitäten und auch psychische Stärken einschätzen. Ein weiteres Team von Experten hatte zudem die Mammutaufgabe, jeden gelandeten Schlag aus den fünf stärksten Jahren der Boxer in akribischer Arbeit festzuhalten.

Nachdem man alle Ergebnisse zusammengetragen hatte, wurde der Monstercomputer mit jeglichen Daten der Boxer gefüttert. Nun ja, mit seinen 64 Kb benötigte der NCR 315 anderthalb Jahre, bis er den ultimativen Champion errechnet hatte, oder besser gesagt wurde zuerst ein Finale zwischen den Boxlegenden Jack Dempsey und Rocky Marciano ermittelt.

Das Finale wurde als virtueller Kampf im Radio übertragen. Kein Amerikaner wollte sich diese technische Innovation Benlee klines logo für Videound vor allem die angebliche Frage aller Fragen entgehen lassen: Marciano oder Dempsey? Wir wollen euch an dieser Stelle Details ersparen. In Runde 13 schlug Marciano seinen Kontrahenten K.O., womit die Frage für den Moment zumindest beantwortet schien. Rocky Marciano nahm den Titel des All-Time Computerized Heavyweight Champion mehr aus Spaß entgegen. Aber statt damit die Frage ein für alle Mal geklärt zu haben, kam nun die Diskussionen richtig in Fahrt und die berechtigte Frage, wo Muhammad Ali abgeblieben war.

Und Ali selbt war mehr als nur aufgebracht über dieses Ergebnis. Er war damals der einzige ungeschlagene Boxchampion neben Marciano in der traditionsreichen Boxgeschichte. Laut dem Computer schied “The Greatest“ im Viertelfinale gegen Jim Jeffries aus. Wer Ali kennt, eine nicht hinnehmbare Angelegenheit, die mit mehr als nur mit der Suche nach dem besten Boxer aller Zeiten zu tun hatte. Für Ali war es Rassismus und eine Demütigung seiner Person und aller anderen schwarzen Boxer. Ali war übrigens ein glühender Anhänger von Jack Johnson, der als erster Schwarzer überhaupt Boxweltmeister wurde.

Und genau dieser Johnson war es, der 1910 Jim Jeffries in der 14. Runde K.O. schlug und den Traum der

Original caption: Action shot of Jack Johnson fighting Jim Jeffries at Reno in 1910. Jeffries was beaten over 15 rounds. 1919 Reno, Nevada, USA

Original caption: Action shot of Jack Johnson fighting Jim Jeffries at Reno in 1910. Jeffries was beaten over 15 rounds. 1919 Reno, Nevada, USA

Amerikaner nach einem weißen Champion zunichte machte. Für Ali war es also mehr als nur eine Niederlage am Computer. Für ihn war es die Quittung dafür, dass er sich geweigert hatte, in Vietnam zu kämpfen.

Er hatte zu diesem Zeitpunkt wegen dieser politischen Frage auch seinen Titel und die Boxlizenz verloren.

Der streitbare Champ verklagte Woroner aufgrund des Computerkampfes wegen Verleumdung. Es kam tatsächlich zu einem Vergleich, bei der Ali 9999 Dollar zugesprochen bekam. Im Anschluss willigte er ein, gegen den sich im Ruhestand befindenden Rocky Marciano in den Ring zu steigen. Wie die Kämpfe zuvor, sollte auch dieser Kampf vom NCR 315 im Voraus analysiert und berechnet werden.

Bevor das Ergebnis der breiten Masse der Öffentlichkeit bekanntgemacht wurde, stiegen die beiden Superchampions im Juli 1969 in Miami zu einem geheimgehaltenen Showkampf in den Ring. Dabei sollten die beiden Champs nur die Berechnungen des Computers nachspielen. Marciano hatte zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre nicht mehr im Ring gestanden. Ali hatte wegen seiner Sperre 2 Jahre aussetzen müssen.

So kam es zum Aufeinandertreffen zwischen “The Brockton Blockbuster“, der mit seinen 1,80 Meter der kleinste Weltmeister aller Zeiten war und immer noch ist und dem “The Greatest“, der mit seinen 1,90 Meter Marciano nicht nur in der Körpergröße deutlich überragte, sondern auch mit seiner Schlagreichweite von 203 zu bescheidenen 170 Zentimetern von Marciano, der in 49 Kämpfen 49 Siege holte, davon 43 durch K.O.wpid-wp-1437191475552.jpeg

Aus dem einminütigen 70 Runden Mix aus Schauspielerei und Sparringsrunden wurde anschließend ein Film zusammengeschnitten. Welches Ergebnis der NRC 315 berechnet hatte, wurde den zwei Ex-Weltmeistern angeblich vorenthalten. Am Tag der Uraufführung am 20. Januar 1970 sollten die beiden “Kontrahenten“ das Ergebnis erfahren. Doch Marciano kam am 31. August 1969, einen Tag vor seinem 46. Geburtstag, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Aber wahrscheinlich wussten er und Ali schon vorher, wer den Kampf gewonnen hatte. Muhammad Ali sagte zuvor einem Reporter, dass der Computer kein Idiot sei. Tatsächlich gewann Marciano gegen Ali laut dem Film und den Berechnungen des Computers durch K.O. in der 13. Runde.

Nun ja, bis heute hat man noch keinen Computer entwickeln können, der glaubwürdig einen Kampf zwischen zwei Champions vorausberechnen kann. Die Tendenzen schon, aber das können auch wir Fans mit ein bisschen Basiswissen. Dass aber der NRC 315 überhaupt etwas errechnet hatte, zweifeln nicht nur wir an, sondern jeder gesunde Mensch bei Verstand.

Für den „Super-Fight“ zwischen Ali und Marciano darf man sich trotzdem bedanken. Dieser Showdown zweier Legenden zeigt uns in einer Zeit, wo Boxen auf Mixed Martial Arts immer mehr Boden verliert, wie vielseitig der klassische Faustkampf sein kann und wie unterschiedlich Boxstile sind, aber man mit jedem dieser Arten zu Kämpfen erfolgreich sein kann. Wer denn nun wirklich der Sieger gewesen wäre, wenn beide zur gleichen Zeit ihren Höhepunkt gehabt hätten, ist uns eigentlich egal. Was bleibt, sind zwei großartige Menschen, die nicht unterschiedlicher sein konnten. Muhammad Ali, der extrovertierte Showman, der als eine Art boxender “Che Guevarra“ heute zu Lebzeiten den Ruf eines Propheten hat und Rocky Marciano, ein stiller Mensch ohne große Starallüren. Aber beide verbindet bis heute etwas sehr wichtiges. Sie waren im Ring und Abseits der großen Arenen immer große Champions und sind bis heute unerreichte Vorbilder.

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