Von Conor McGregor, Dana White und dicken Bankkonten

Der größte “Kindergarten“ der Welt heißt zur Zeit vielleicht UFC. Hauptakteure sind Dana White an der Spitze mit seinem Goldjungen Conor McGregor dahinter. Eine in finanzieller Hinsicht tolle Kombination, die der UFC schon viele hunderte von Millionen an Einnahmen beschert hat. Und ein neuer Rekord war auch schon für die UFC 200 in Las Vegas eingeplant. Dann nämlich, wenn McGregor seine Revanche für die gegen Nate Diaz erlittene Niederlage erhalten sollte. Doch gestern ereilte die Welt des MMA eine Schocknachricht: Conor McGregor trat auf mysteriöse Art und Weise zurück. Schnell schauten manche Medien in Deutschland, ob wir Spaßvögel von GFN etwa einen unserer manchmal bösen Witze gemacht hatten. Aber nein, er war Realität und die ersten munkelten schon: McGregor zu Bellator oder zum Wrestling?

Eine wahre Hollywood Story, die sich da in den USA abspielt und die kein Drehbuchautor der Welt jemals besser verfassen könnte. Diesen Film würde ich persönlich “Conor-Gate-Affäre“ nennen. Alles wäre vorhanden: Sportlerdrama, Thriller und vor allem vielguerilla Komödie. Während die Welt des MMA weint, muss ich leider etwas lachen. Denn es ist für mich eine Story, die auf eines hinausläuft: Mit vielen Emotionen noch mehr Fans dazu bewegen, die UFC einzuschalten, am besten dann, wenn es die große Versöhnung gibt, sich alle wieder lieb haben und in den Armen liegen. Dicker Bussi an dieser Stelle.

Zuletzt litt die Glaubwürdigkeit eines Dana White beim Publikum enorm. Man hatte schnell ausgemacht, dass er seine Lieblinge im UFC Zirkus hat, die eben dieser leicht verrückt anmutende, wie auch geniale Conor McGregor und seine zuletzt im November 2015 von Holly Holm übelst verdroschene Prinzessin Ronda Rousey sind oder waren. Beide galten als die “The Untouchables“, also die Unberührbaren, die viele Siege und Storys produzieren sollten, um die prall gefüllten Konten der UFC an ihre Grenzen zu bringen. Doch egal, wann immer den Fans etwas nicht passte, wurde der Schuldige schnell ausgemacht: Dana White! Der Präsident gilt bei den Fans als geldgierig und als einer, der die Seele der UFC verkauft hat. Dazu zählt eben auch, dass er seine absoluten Lieblinge zu haben scheint, die eigentlich nicht gegen Holly Holm oder Nate Diaz verlieren sollten. Nun ja, ist halt doch passiert. Aber der Großteil der Fans waren nun scharf auf zweiten mcconneTeil zwischen McGregor vs. Diaz. Pustekuchen!

Doch jetzt soll Diaz gegen einen der früheren Zugpferde in den legendären UFC Cage eintreten, der schon einmal seinen Bruder Nick ramponiert hatte.

Gemeint ist der schillernde und lang vermisste Kanadier Georges St-Pierre (25-2-0). Wow, da musste sogar ich kräftig schlucken – GSP zurück in den UFC Käfig? Ich hielt bei dieser Meldung schon einen imaginären Oscar in der Hand, den ich allen verliehen hätte, die aus meiner Sicht etwas damit zu tun haben könnten. Und diese Geschichte hätte noch etwas mehr von Hollywood. Georges St-Pierre besiegte am 16. März 2013 Nate Diaz älteren Bruder Nick einstimmig nach Punkten. Da ist also eine alte Rechnung offen zwischen Familie Diaz und dem Kanadier. Und White könnte sich sicher sein, dass die Kasse bei diesem Duell mindestens auf ähnlichem Level, Experten sagen sogar auf Rekordniveau, klingeln würde. OK, wenn selbst ich sogar einschalten würde, der, den die UFC am Rande natürlich auch interessiert, aber der lieber die kleinen Storys vom deutschen MMA-Zirkus mag, heißt das schon etwas. Aber ob es nun zum Duell Diaz vs. St-Pierre kommt, muss man abwarten.

Aber zurück zu McGregor und White. Endlich stellte sich heute auch der Präsident den Journalisten, um seine bzw. die Sicht der UFC darzustellen.

Um es kurz zu machen: McGregor wollte anscheinend die Media Tour für die UFC 200 nicht mitmachen, da er in Island im Trainingscamp sei. Der Ire wolle sich diesmal richtig vorbereiten. Aber Dana soll McGregor mehrmals darauf aufmerksam gemacht haben, dass es seine Pflicht sei und wenn er es nicht machen würde, dann auch nicht bei der UFC 200 in Las Vegas kämpfen könne. Cage UFC Berlin2 klein

Nun aber hat auch McGregor seinen Senf zu diesem Thema abgegeben. In seinem emotionalen Statement verkündetet das Enfanterrible nicht zurückgetreten zu sein. Er beendete mit den Worten „Ich werde nicht zurücktreten“, das für seine Fans nachvollziehbare Statement. Zuvor schüttete er sein Herz aus und ging mit der UFC relativ hart ins Gericht und prangerte besonders die Vermarktungsmaschinerie der UFC an.

„Ich versuche nur meinen Job zu machen und zu kämpfen. Ich werde fürs Kämpfen bezahlt und nicht für Werbung“, so McGregor vielsagend und fügte an, “Ich habe mich in diesem Promotionspiel verloren und weiß nicht mehr, wie Fighten funktioniert. Am Ende von 50 Welttourneen, 200 Pressekonferenzen, einer Million Interviews, 2 Millionen Fotoshootings schaue ich einer Niederlage ins Auge, weil ich mich nicht richtig vorbereiten konnte“, womit er endgültig fast geschlossen die gesamte Community weltweit des MMA auf seiner Seite hatte.

OK, ich mache mich jetzt erneut gerne unbeliebt, denn mich hat er nicht vollends überzeugt. Er ist halt, wie vorhin beschrieben, nun einmal das Enfanterrible der Szene, der launischer als jede Diva der Welt ist. Ihm ist halt zur Zeit nicht danach und er wollte diesmal sicher gehen, dass er in Las Vegas gegen Diaz gewinnen und sich also auf ihn bestens vorbereiten kann, während Diaz wiederum alleine die Promotour macht. Nun gut, diese täglichen Videos sind tatsächlich zu viel des Guten und manchmal unerträglicher Klamauk. Aber am Ende des Geschäfts gehört es auch zum Sport dazu und MMA ist trotz seiner Popularität noch nicht vollends überall angekommen. Da müssen alle zusammen zur Ader gelassen werden. UFC Beltklein

Wie dem auch sei, der “UFC Hollywood Kindergarten“, was ich augenzwinkernd meine,  befindet sich gerade auf der Zielgeraden. Wir sind alle gespannt darauf, was die Tage noch alles verkündet wird. Doch eines kann ich euch ganz sicher sagen: alle Protagonisten werden nach der “Connor-Gate-Affäre“ noch dickere Bankkonten haben… 

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