Der Mensch ist wie ein guter Wein – er reift mit den Jahren und wird immer wertvoller (Annette Andersen – Autorin)

Ein Vergleich, der zu keinem anderen Kampfsportler besser zu passen scheint, als zu Aziz Karaoglu. Anders konnte man die Leistungen der Routiniers bis Mai 2016 nicht erklären. Sie waren herausragend, aber sicherlich nicht überraschend für Freunde und Weggefährten aus seinem Umfeld.

Seine Siege und Schlachten bei der renommierten MMA Reihe KSW oder der Titelgewinn des WBC Mediterranean Gürtels im Boxen, sind Belege, dass sich der Düsseldorfer nicht einer Zahl in seinem Personalausweis ergibt. Menschen wie Karaoglu haben auch für die Wissenschaft einen immensen Wert, die schon lange nach dem Schlüssel zur ewigen Jugend suchen. Man fragt sich manchmal, ob die Uhr des Deutsch-Türken rückwärts läuft, wie bei der Titelfigur des Spielfilms „Der seltsame Fall des Benjamin Button“. Die von Hollywoodstar Brad Pitt dargestellte Figur ist natürlich nicht echt, ganz im Gegensatz zum Phänomen Aziz Karaoglu, der mit dem Alter anscheinend immer besser und jünger wird.  

O.K, der Veteran zählte sicherlich nicht mehr zu den absoluten Hoffnungsträgern in Sachen UFC. Wenn überhaupt, versucht er als Headcoach des Team Alpha Düsseldorf seinem Schützling Kerim Engizek den Weg zu ebnen, ihn in die weltgrößte MMA Organisation zu bringen. Ein besseres Vorbild kann man als junger Athlet sicherlich auch nicht haben, als jemanden, dessen Uhr als Sportler abgelaufen zu sein scheint, der aber ausgerechnet dann mit hervorragenden Leistungen  glänzt.

Egal ob im Sport, oder abseits im privaten Leben, der Düsseldorfer ist nicht wie andere Kampfsportler für markige Sprüche oder hysterische Aktionen zur Selbstvermarktung bekannt, sondern wirkt immer selbstreflektiert und lebt es so seinen Schülern vor. Er ist ein charismatischer Anführer, dem man gerne zuhört und dem man auch jedes Wort abnimmt. Er ist der etwas andere Coach, der ohne Starallüren auskommt, aber trotzdem eine hohe Reputation bei Fachleuten, Fans und Athleten besitzt.

Es scheint, als könne er mit seinem Willen Berge versetzen, aber hinter seinem späten Erfolg steht akribische Arbeit.  Aziz Karaoglu hatte nicht nur gute Zeiten als Sportler erlebt. Bis zum Jahr 2009 erlebte der Athlet immer wieder Aufs und Abs in seiner Karriere und nach einer Serie von drei Niederlagen machte er eine dreieinhalbjährige Pause. Im Jahr 2013 gab Karaoglu gegen den polnischen MMA Star Piotr Strus sein überraschendes Comeback. Und womit kaum jemand gerechnet hatte, der Düsseldorfer schlug den Favoriten in dessen Heimat Polen in der ersten Runde K.O!

Und es dauerte zwei weitere Jahre, bis sich der beliebte Kämpfer ein weiteres mal bei der KSW 31 in den Cage begab. Einmal mehr ging Karaoglu als Außenseiter in einen Kampf. Manche taten seinen Erfolg zuvor gegen Strus als Eintagsfliege ab. Doch Karaoglu besiegte in Danzig auch den US-Amerikaner Jay Silva in der ersten Runde durch T.K.O.  Ein fast unfassbarer Erfolg. Denn während  zumeist jüngere Athleten in Deutschland für mittelmäßige Kämpfe und gegen noch mittelmäßigere Gegner auf den Olymp gehoben werden, setzte Aziz Karaoglu im Herbst seiner Karriere durch spektakuläre Leistungen auf hohem internationalen Niveau ein Zeichen –  ohne viel Wirbel darum zu machen.

Viel mehr waren es Freunde und Wegbegleiter, die voller Stolz die Erfolge des in Düsseldorf geborenen Deutsch-Türken in die Welt trugen, ohne dabei aber große Ansagen zu machen, sondern vielmehr hielt man die Fans und die Reporter auf dem Laufenden.

Als Karaoglu bei KSW 33 auch den Titelanwärter Maiquel Falcao nach 30 Sekunden in der ersten Runde K.O geschlagen hatte, wurde es fast unheimlich. Für die Organisatoren der KSW wurde ein Titelkampf zwischen Karaoglu gegen den weltbesten Mittelgewichtler Mamed Khalidov unausweichlich. Der Kampf fand am 27. Mai 2016 bei KSW 35 in Danzig statt. Um es vorwegzunehmen: mit diesem Ereignis wurde Karaoglu auch außerhalb der Deutschen Kampfsportszene zur Legende. In einer epischen Schlacht, bei der Aziz Karaoglu mit gerissenem Meniskus antrat und sich in der ersten Runde sogar den Arm brach, verlangte er dem haushohen Favoriten alles ab und war sogar der bessere Akteur. Nach drei Runden schien Karaoglu der sichere Sieger zu sein, auch für seinen Gegner Khalidov selbst. Doch zum entsetzen der MMA-Welt kürte man Mamed Khalidov zum alten und neuen Champ. Dieser wollte den Titel aber gar nicht haben und hängte den Gürtel um die Schultern des nach Punkten unterlegenen Rheinländers. Ein fragwürdiges Urteil und vielleicht das Ende der Karriere von Karaoglu. Den seither hört und sieht man nichts mehr vom “Held aus Danzig“. 

In Deutschland fällt einem sonst nur noch der Profiboxer Firat Arslan (46) ein, der im fortgeschrittenen Alter mit Leistungen auf hohem Niveau auf sich aufmerksam macht. Ob Aziz Karaoglu so lange kämpfen will und überhaupt nochmal zurückkommt, bleibt abzuwarten. Zumindest viele Fans wünschen sich in Deutschland ein Duell zwischen Karaoglu und Abu Azaitar.

Und für UFC-Rufe scheint es zu spät zu sein. Dafür könnte der Deutsch-Türke der Organisation vom Papier her zu alt zu sein, auch wenn die Amis Geschichten wie die von Karaoglu lieben.

Der seltsame Fall des Aziz Karaoglu“, ist eine filmreife Geschichte und der Stoff, der Fans in aller Welt elektrisiert. Aber auch ohne die UFC hat Karaoglu seinen Platz in den Analen des MMA sicher.

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